
Radschnellweg FRM6 - Routenvarianten Friedberg 2025-08 © ADFC Bad Nauheim/Friedberg
Radschnellweg FRM6 - Trassenführung bei Friedberg
Die Stadt Friedberg hat Anfang August 2025 per Presseartikel einen neuen Vorschlag zur Routenführung des geplanten Radschnellweges FRM6 Butzbach – Frankfurt in die Diskussion gebracht, der eine weitgehende Abkehr von der bisherigen Planung darstellt.
Die Stadt Friedberg hat Anfang August 2025 per Presseartikel einen neuen Vorschlag zur Routenführung des geplanten Radschnellweges FRM6 Butzbach – Frankfurt in die Diskussion gebracht, der eine weitgehende Abkehr von der bisherigen Planung darstellt.
Zwar bedeuten die vorgestellten Maßnahmen (wie z.B. der Lückenschluss zwischen Homburger Straße und Wasserturm) für sich genommen durchaus eine qualitative und quantitative Verbesserungen der unzeitgemäßen Verkehrsinfrastruktur in Friedberg, und wären somit zu begrüßen. Nur: sie sind keine Radschnellverbindung, und sie sind auch kein Ersatz für eine Radschnellverbindung.
Ein Netz von Radschnellverbindungen für Rhein-Main
Vor rund 10 Jahren begannen für den Ballungsraum um Frankfurt die Planungen für ein Netz aus Radschnellverbindungen (RSV). Sie haben zum Ziel, dem Alltagsradverkehr (Pendelnde, Berufs- und Ausbildungsverkehr) zügiges Radfahren im Rhein-Main-Gebiet zu ermöglichen. Die Entwurfsgeschwindigkeit dieser Wege liegt bei 30 km/h (und damit sogar noch über der Pedelec-Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h); im Idealfall lassen sich so die Fahrtzeiten um 30 bis 50 Prozent zu verkürzen. Radschnellwege haben ausdrücklich keinerlei touristische Ausrichtung – diese Aufgabe fällt den Hessischen Radfernwegen zu.
FRM6 – die Radschnellverbindung (RSV) für die Wetterau
Wie alle Planungen werden auch die zum FRM6 (Butzbach–Frankfurt) vom Regionalverband koordiniert, über die konkrete Umsetzung bzw. die Planung der Trassenabschnitte wird jedoch in den acht (!) beteiligten Wetterau-Kommunen entschieden. Für die Trassenführung auf Friedberger Gemarkung wurde vom „Runden Tisch Radverkehr“ und der Friedberger Verwaltung gemeinsam ein Vorschlag erarbeitet, der mit der Beschlussvorlage 21-26/0860 am 11.7.23 im Magistrat verabschiedet wurde. Dieser Vorschlag sieht eine Trassenführung vor, die westlich an Friedberg entlangführt, und wird bis heute auf der Website des Regionalverbandes als Planungsstand FRM6 gezeigt.
Neue Beschlussvorlage der Friedberger Verwaltung
Laut Presseberichten legt die Verwaltung der Stadtverordnetenversammlung nun einen neuen Vorschlag für eine Trassenführung zur Abstimmung vor, der nicht mehr an Friedberg entlang, sondern als Raddirektverbinung (RDV) durch Friedberg hindurch führt. Zwar bedeuten die vorgestellten Maßnahmen (wie z.B. der Lückenschluss zwischen Homburger Straße und Wasserturm) für sich genommen durchaus eine qualitative und quantitative Verbesserungen der unzeitgemäßen Verkehrsinfrastruktur in Friedberg, und wären somit zu begrüßen. Nur: sie sind keine Radschnellverbindung, und sie sind auch kein Ersatz für eine Radschnellverbindung. Die Qualitätsstandards für Radschnell- und Raddirektverbindungen sehen eine Minimierung von Kreuzungspunkten, großzügige Kurvenradien und eine Bevorrechtigung der Radschnellverbindungen vor, um Zeitverluste gering zu halten. Das ist bei einer Führung durch Friedbergs Stadtkern schlicht nicht zu realisieren.
Die vorgeschlagene Trassenführung über die Seewiese lehnt der ADFC als für eine Radschnell- bzw. Raddirektverbindung untauglich ab. Eine RDV-Trasse hat vor allem die Aufgabe, dem Alltagsradverkehr ein zügiges Radfahren zu ermöglichen – das ist bei der Nutzung der Seewiese durch Spielplatz, Sportanlagen und Senioren nicht frei von Konflikten. Zudem würde die Trasse dort mehrere Schulwege kreuzen. Mehrfach im Jahr finden hier große Veranstaltungen wie das Herbstfest und Open-Air-Konzerte statt, für die die Trasse jeweils gesperrt werden müsste, eine Umleitung des FRM6 weist die Beschlussvorlage nicht aus.
Vorgehen der Stadtverwaltung irritiert
Nicht nur eine Trassenführung, die sich von der Grundidee einer Radschnellverbindung verabschiedet hat, sondern auch das Vorgehen der Friedberger Verwaltung kritisieren wir als ADFC scharf. Während die alte Beschlussvorlage 0860 unter Beteiligung des „Runden Tischs“ und des ADFCs beraten und vorbereitet wurde, erfuhren Öffentlichkeit, Mandatsträger*innen und auch der Radverkehrsbeauftragte des Magistrats, Stadtrat Johannes Contag, von Existenz und Inhalt einer neuen Beschlussvorlage nur aus der Presse, nur wenige Wochen vor den Gremiensitzungen (Ortsbeirat, Ausschuss, Stadtverordnetenversammlung). Ebenso nicht einbezogen wurde die regionale FRM6-Arbeitsgruppe des ADFC, die sich aus Mitgliedern der Ortsgruppen Bad Nauheim/Friedberg, Bad Vilbel/Karben, Frankfurt soweit dem Landesverband zusammensetzt und seit vielen Jahren die FRM6-Planungen im Wetteraukreis konstruktiv und kritisch begleitet.
Der ADFC fordert die Stadt Friedberg auf, die neue Beschlussvorlage zurückzuziehen und die Planungen zum FRM6 nicht weiter zu verzögern, sondern auf Basis der bereits im Magistrat verabschiedeten Beschlussvorlage 21-26/0860 zügig voranzutreiben.
Einladung zur Befahrung
Um die geplante Strecke und ihre kritischen Punkte in der Praxis zu erleben und erfahren lädt der ADFC Bad Nauheim/Friedberg zu einer geführten verkehrspolitischen Radtour am Freitag, 22.August 2025, 17 Uhr ein.
https://www.adfc-tour.de/zeige_tour.php?id=87341
Für eine leichtere Planung bitten wir um formlose Anmeldung an info@adfc-badnauheim-friedberg.de eine spontane Teilnahme ist dennoch möglich.
Weitere Informationen
Eine Einordnung der geplanten Strecke und Hintergrundinformationen zu Anforderungen an Radschnellwege sind in den u.s. Links zu finden.


