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ADFC-Fahrradklima-Test 2024 - Keine Kommune in der Wetterau überzeugt
Im Juni 2025 wurden die Ergebnisse des ADFC-Fahrradklima-Tests 2024 veröffentlicht. Acht Kommunen aus dem Wetteraukreis haben es in die bundesweite Auswertung geschafft – mit teils ernüchternden, teils leicht positiven Ergebnissen.
Im Juni 2025 wurden die Ergebnisse des ADFC-Fahrradklima-Tests 2024 veröffentlicht. Acht Kommunen aus dem Wetteraukreis haben es in die bundesweite Auswertung geschafft – mit teils ernüchternden, teils leicht positiven Ergebnissen. Keine der Kommunen erreichte jedoch eine wirklich gute Bewertung. Das zeigt: Beim Thema Radverkehr gibt es im Wetteraukreis weiterhin erheblichen Verbesserungsbedarf. Erfreulich ist jedoch, dass sich erneut mehr Bürgerinnen und Bürger beteiligt haben – in Bad Vilbel als Spitzenreiter sogar 184 Teilnehmende.
Die Bewertungen für die acht ausgewerteten Kommunen im Wetteraukreis liegen zwischen der Note 3,6 (Karben) und 4,6 (Büdingen). Damit hat keine der Städte eine wirklich gute Note erhalten – alle liegen im lediglich ausreichenden oder mangelhaften Bereich. Der Handlungsbedarf ist damit weiterhin hoch. Auffällig sind die großen Unterschiede bei der Bewertung geöffneter Einbahnstraßen: Während Friedberg, Karben, Butzbach und Bad Nauheim mit Werten von 2,7 oder besser punkten, schneiden Bad Vilbel, Wöllstadt und Büdingen mit Noten von 4,0 oder schlechter deutlich schlechter ab. Interessant ist das vor allem deshalb, weil die Öffnung von Einbahnstraßen für den Radverkehr eine vergleichsweise einfache und kostengünstige Maßnahme ist – mit großem Potenzial für den Alltagsradverkehr.
Mehrheit fühlt sich unsicher – mit Ausnahme in Karben
Ein zentrales Ergebnis: In sieben von acht Wetterauer Kommunen fühlen sich Radfahrende mehrheitlich unsicher. Nur Karben sticht mit einem vergleichsweise niedrigen Unsicherheitswert von 44 % hervor. In Wöllstadt liegt der Anteil bei 51 %, also knapp über der Hälfte. In allen anderen Kommunen liegt er zwischen 71 und 87 %. Büdingen bildet das Schlusslicht mit 87 %, dicht gefolgt von Friedberg (81 %) und Bad Nauheim (80 %).
Kleine Verbesserungen sichtbar – aber noch zu wenig
Die Radfahrenden haben bei der Bewertung auch Verbesserungen erkannt – etwa bei der genannten Einbahnstraßenöffnung, sofern diese durchgeführt wurden - und den neuen Radweg-Ausschilderungen im Wetteraukreis. Solche Maßnahmen werden positiv wahrgenommen und gewürdigt. Gleichzeitig wird aber auch sichtbar: Wo es an grundlegender Infrastruktur fehlt – etwa durchgängige Radwege, gute Baustellenregelungen oder konsequente Kontrollen gegen Falschparker auf Radwegen – fällt das Urteil hart aus.
Ergebnisse im Überblick – die acht Städte und Gemeinden im Vergleich
- Karben erzielt mit der Note 3,6 das beste Ergebnis im Wetteraukreis. Gelobt wurden die Zielerreichbarkeit und Wegweisung. Nur 44 % fühlen sich beim Radfahren unsicher – der beste Wert im Kreis.
- Wöllstadt erreicht bei seiner ersten Teilnahme eine Note von 3,7. Die Radfahrenden loben das zügige Vorankommen, die Wegweisung und den Wegezustand. Dennoch fühlen sich 51 % unsicher – ein Wert, der zeigt, dass auch hier noch Luft nach oben ist.
- Rosbach liegt mit Note 3,8 knapp dahinter. Positiv bewertet werden die kommunale Unterstützung und das Gefühl, dass Radverkehr zumindest thematisiert wird. Bei der Baustellenführung, dem Miteinander im Verkehr und der Sauberkeit der Wege gibt es jedoch deutliche Kritik. 73 % fühlen sich unsicher.
- Bad Nauheim kommt auf eine Note von 3,9. Verbesserungen wie die Einbahnstraßenfreigabe werden anerkannt, aber 80 % Unsicherheit und schlechte Bewertungen bei der Verbindung zum Zentrum und der Fahrradförderung zeigen deutlichen Nachholbedarf.
- Butzbach und Bad Vilbel erhalten jeweils die Note 4,0. In beiden Kommunen gibt es Lob für Wegweisung und Einbahnstraßenregelung, gleichzeitig aber viel Kritik an Falschparkern, unzureichender Infrastruktur und Konflikten mit dem Kfz-Verkehr. 71 % (Butzbach) bzw. 74 % (Bad Vilbel) fühlen sich unsicher.
- Friedberg schneidet mit der Note 4,4 deutlich schlechter ab. Positiv: ÖPNV-Fahrradmitnahme und einige Einbahnstraßenlösungen. Doch bei Sicherheit, Netzqualität und Umsetzung fehlt es: 81 % fühlen sich unsicher.
- Büdingen erhält mit Note 4,6 die schlechteste Bewertung im Kreis. Die Radfahrenden kritisieren massiv das Miteinander mit dem Kfz-Verkehr, fehlende Verbesserungen und unzureichende Wegeführung. 87 % fühlen sich unsicher – ein klares Alarmsignal.
Radwege enden im Nichts – und an der Ortsgrenze wird’s besonders kritisch
Neben der Bewertung über Schulnoten hatten Teilnehmende auch die Möglichkeit, ihre Eindrücke in einem Freitextfeld zu schildern. Hier zeigte sich über die Orte hinweg ein häufig genannter Kritikpunkt: Radwege enden oft abrupt im Nichts – ohne klare Fortsetzung. Dabei geht es nicht um fehlende Wegweiser, sondern um die grundsätzliche Frage: Wohin mit mir als Radfahrer? Muss ich auf die Straße? Gibt es einen weiteren Radweg? Wie komme ich sicher über eine Kreuzung? Diese Unsicherheit sorgt bei vielen für Frust und erhöht das Risiko im Straßenverkehr. Besonders häufig wird dieser Bruch an der Grenze zwischen außerörtlicher und innerörtlicher Radinfrastruktur genannt – etwa dort, wo ein gut ausgebauter überörtlicher Radweg plötzlich an der Ortseinfahrt endet, ohne dass innerorts eine sichere Radverkehrsführung anschließt. Gerade an solchen Übergängen fühlen sich viele Radfahrende allein gelassen.
ADFC fordert systematische Verbesserungen
„Die Ergebnisse zeigen, dass punktuelle Maßnahmen positiv wahrgenommen werden, dass keine Kommune besser als mit der Schulnote 3,6 abgeschnitten hat, zeigt aber deutlich, wie weit wir von einem wirklich fahrradfreundlichen Wetteraukreis entfernt sind.“, sagt Paul Hilmer, Sprecher der ADFC-Ortsgruppe Bad Nauheim/Friedberg. „Wir brauchen endlich zusammenhängende, sichere Radwegeverbindungen, auch in kleinere Ortsteile und zwischen Kommunen. Wer das Fahrrad im Alltag nutzen will, darf nicht das Gefühl haben, sich selbst oder seine Kinder zu gefährden.“ Auch Ute Gräber-Seißinger, Vorsitzende der ADFC-Ortsgruppe Bad Vilbel/Karben, betont: „Eine fahrradfreundliche Stadt ist ein Gewinn für alle, denn Radfahren reduziert den Stau, fördert die Gesundheit und schont das Klima. Nicht zuletzt die Umfrageergebnisse des Fahrradklimatests zeigen, dass in Bad Vilbel der Weg bis dorthin leider noch weit ist. “
Kommunale Eigenwahrnehmung teils konträr zur Bürgermeinung
Neben der Bürgerbefragung wurde im Rahmen des Fahrradklima-Tests 2024 auch eine Kommunalbefragung durchgeführt. Darin konnten Städte und Gemeinden ihre eigenen Maßnahmen zur Radverkehrsförderung einschätzen. Auffällig: In vielen Punkten steht diese Selbsteinschätzung deutlich im Widerspruch zur Bewertung durch die Bürgerinnen und Bürger. Der ADFC fordert daher einen ehrlichen Dialog zwischen Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft.


